Kolumne: Daueranfangsfinder "Entscheidungen"

Entscheidungen.
Es ist entschieden.
An diesem Abend öffne ich den Laptop, schreibe den Titel in die Mitte des oberen Seitenteils und schweige anschließend bedächtig.
So. Jetzt nur noch minimum 253 Seiten. Kann doch nicht so schwer sein.
Wird das später der Beginn der Erfolgsgeschichte sein, die ich so gerne erzählen möchte? Oder ist es nur der Beginn einer weiteren ins Leere laufenden Idee, von der ich schon so einige mein Eigen nennen kann?
Verdammt. Spontan empfinde ich diese Sätze als völlig ungeeignet für den Anfang eines Buches und wittere einen Hauch von schlechtem Omen. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht genau jetzt schon im Hinterkopf von Bestsellerlisten träumen würde – Platz drei wäre gerade so okay –, von Einladungen in Talkshows, zum Beispiel zu Markus Lanz, der die ganze Entstehungsgeschichte sicher „unfassbar“ findet.
Und dann natürlich Freunde und Familie, die gemeinsam auf mich anstoßen mit einem wohlwollenden: „Wir haben es doch immer gewusst.“
Ich bemerke, wie mich das stetige Aufflackern des Cursors in Trance versetzt hat. Wertvolle Minuten meiner Autorentätigkeit. Unwiederbringlich futsch.
Aber das macht nichts. Schließlich weiß ich ja noch genau, was ich schreiben …
Ich klappe den Rechner zu und gehe erst mal schlafen.
Morgen ist auch noch ein Tag.


